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Die deutsche Sportakrobatik gastiert ja in letzter Zeit häufiger in Mainz und bisher habe ich gelegentlich die nötige Wettkampfatmosphäre in der Laubenheimer Halle vermisst. Zuschauer waren manchmal Mangelware. Diesmal war das anders. Ich weiß nicht, ob es am Teilnehmerrekord, an der Einbindung in das Landesturnfest oder an der anstehenden WM-Qualifikation lag. Wahrscheinlich ein bisschen von allem. Auf jeden Fall war es diesmal ein perfekt organisiertes, aber vor allem auch emotionales, spannungsgeladenes und sehr kurzweiliges Wochenende. Die Stimmung wurde dem bedeutenden Anlass absolut gerecht. Zeit für einen Rückblick.
Damengruppen
Schon im Vorfeld war klar, dass es beim Wettstreit der Trios am heißesten hergehen würde. Vier Damengruppen standen in ernsthafter Konkurrenz um die zwei verfügbaren WM-Startplätze: Melina Kuklinski, Katharina Turnwald und Celine Caro-Bauder (Hofherrnweiler), Tamara Kämpfert, Hannah Schmid und Valery Maslo (Ebersbach), Leonie Bergner, Julia Schilling und Sophie Moser (Faurndau) sowie Amber Marie Roll, Julia Neumann und Shirley Klier (Schwerin). Nach der Balance-Übung, die alle vier Trios ohne nennenswerte Fehler meisterten, führte noch Ebersbach vor Hofherrnweiler, Schwerin und Faurndau. Dann aber die Überraschung: Einzig Faurndau kam unfallfrei durch die Tempo-Übung am Samstagnachmittag und stand demnach plötzlich mit 53,95 Punkten an der Spitze der vier rivalisierenden Damengruppen. Schwerin hatte den Doppelsalto auf den Hintern gesetzt und beim Handstand-Handstand-Aufgang erheblich kämpfen müssen. Aus war der Traum von der WM! Noch ärgerlicher waren die Patzer von Hofherrnweiler und Ebersbach. Katharina Turnwald (Hofherrnweiler) sprang den vorgeschriebenen Flickflack versehentlich in Pose. Und Valery Maslo (Ebersbach) hatte nach der Radwende zu viel Schwung bei ihrem Rückwärtssalto und landete auf dem Allerwertesten. Allesamt mussten sie große Abzüge in Kauf nehmen. Der Wettstreit der Gestürzten hatte nun nichts mehr mit der tatsächlichen Leistungsfähigkeit zu tun. Hofherrnweiler (53,6 Punkte) gewann vor Ebersbach (53,35 Punkte) und Schwerin (53,3 Punkte).
Zwar war für jeden in der Halle offensichtlich, dass an manch anderem Tag die Ebersbacher Damengruppe die beste gewesen wäre. Aber Qualifikation ist Qualifikation und so freuen sich Faurndau und Hofherrnweiler auf die Weltmeisterschaft in Polen, während sich Ebersbach nur mit dem Deutschen Meistertitel in Balance trösten kann. Die restlichen Meistertitel schnappten den WM-Kandidaten übrigens die hervorragenden Dresdnerinnen Katharina Bräunlich, Laura Jolitz und Flora Sochor weg, denen aber leider (noch) das internationale Alter fehlt.
Damenpaare
Trösten kann sich der TV Ebersbach außerdem damit, dass er mit einem Damenpaar dennoch bei der Jugend-WM vertreten sein wird. Die Nominierung von Sina Smialy und Vanessa Buchhammer (Balance Platz 22, Tempo Platz 17) darf durchaus als riesige Überraschung eingestuft werden und sorgte für reichlich Diskussionsstoff: Diese Entscheidung des DSAB erntete zum Teil heftige Kritik. Mit Petra Wachter steht den beiden aber eine Trainerin zur Seite, der man absolut zutrauen kann, dass sie die beiden in den verbleibenden acht Wochen bis zur WM noch fit macht.
Wie unvorhergesehen diese Entscheidung auch innerhalb des DSAB gewesen sein muss, verrät die Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Auslosung der Startreihenfolge bei der WM durch die FIG am vergangenen Donnerstag in Japan offenbar nur ein deutsches Damenpaar gemeldet war. Hier übrigens die Ergebnisse der Auslosung für Jugend, Junioren und Senioren. Völlig erwartungsgemäß fahren außerdem die beiden Mainzerinnen Paulina Haas und Nisha Virmani nach Polen, denen die Verteidigung ihres Deutschen Meistertitels im Mehrkampf gelang.
Herrenpaare
Günther Mäußnest, Akro-Chef in Albershausen, hatte sich im Vorfeld die Schlagzeile „Stach sticht starken Max“ gewünscht. Die kann er haben, denn sein Herrenpaar Dennis Stach und Emanuel Lang setzte sich am entscheidenden Samstag nicht nur gegen Max Hoppe und Jonas Conrad (Leipzig) durch, sondern auch gegen Paul Behrendt und Maximilian Scherr (Riesa). Damit lösten Albershausen und Riesa die WM-Tickets.
Mixed Paare
Bei den gemischten Paaren ist Deutschland meiner Ansicht nach zur Jugend-WM leistungsmäßig in Relation zur internationalen Konkurrenz am besten aufgestellt. Mit Alex Dik und Justice Niesar (Hoyerswerda) sowie Tim Sebastian und Rosa Löhmann (Dresden) werden zwei hervorragende Paare die deutschen Farben vertreten. Das Publikum in Mainz war begeistert von den teils schwungvollen, teils anmutigen Darbietungen. Die Halle tobte förmlich nach der Tempo-Übung von Alex und Justice, die ganz in der unvergleichlichen Manier und mit der grandiosen Leichtigkeit der Hoyerswerdaer Mixed Paare über die Matte wirbelten. Nur hauchdünn dahinter landete Tim. Zwar kann er seine Rosa nicht ganz so durch die Luft wirbeln, dafür müssen die Dresdner aber auch keinen Größenabzug von den Kampfrichtern in Kauf nehmen.
Gedanken zur Nominierungspraxis des DSAB
Da die Nominierung der Nationalmannschaft auch auf dieser Webseite regelmäßig zu heftigen Diskussionen (auch schon 2009) führt möchte ich diesem Thema noch ein paar Sätze widmen: Auf dem Weg zu einer Welt- oder Europameisterschaft muss man eine ganze Reihe von Hürden nehmen. Man muss die Altersvorgaben erfüllen. Man muss beim DSAB rechtzeitig sein Interesse bekunden. Und man muss die anfallenden Kosten tragen. Man muss es sich leisten können, zur WM zu fahren. Im Jugendbereich muss man in diesem Jahr stolze 1150 Euro pro Person berappen. Der DSAB unterstützt nur die Junioren (Eigenanteil: 675 Euro) und Senioren (Eigenanteil: 150 Euro) und kann es sich leider nicht leisten, auch den Sportlern der Jugendklasse finanziell unter die Arme zu greifen. Das sind die Rahmenbedingungen. Man braucht sie nicht gut finden, aber sie sind nunmal gegeben.
Sofern dann überhaupt noch Formationen in Frage kommen, beginnt jetzt die eigentliche Qualifikation. Qualifikation ist aber noch lange nicht Qualifikation. Hier stellen sich unter anderem folgende Fragen: Zieht man - wie am Wochenende in Mainz - knallhart einen einzigen Wettkampf als Qualifikation heran oder bezieht man die Ergebnisse mehrerer Wettkämpfe ein? Veranstaltet man die Qualifikation im Rahmen einer offiziellen Meisterschaft oder schreibt man einen eigenen Wettkampf aus? Nimmt man überhaupt Wettkämpfe, Platzierungen und Wertungen als Grundlage der Qualifikation oder lieber Trainingseindrücke beim Bundeskadertraining? Setzt man eine Mindestleistung in Form einer Mindestpunktzahl oder -platzierung bei einer DM voraus? Berücksichtigt man eher die Leistung oder das Potenzial der Sportler? Über diese Fragen kann man jahrelang diskutieren und es wird niemals einen Konsens geben...
In Bezug auf den letzten Aspekt sieht Petra Wachter beispielsweise die Jugend-WM als Sprungbrett für Formationen, die später mal bei den Junioren groß herauskommen könnten, und kritisiert in diesem Zusammenhang die Nominierung des Hofherrnweiler Trios, dem sie aufgrund des Größenverhältnisses keine sportliche Zukunft bei den Junioren oder Senioren bescheinigt. Anderen, die diese Zukunft haben, werde so die Möglichkeit genommen, erste internationale Erfahrungen zu sammeln und sich in der Szene bekannt zu machen. Andererseits ist Hofherrnweiler aktuell vielleicht schlichtweg besser oder sicherer.
So gibt es also jede Menge Aspekte einer Nominierung und unterschiedliche Möglichkeiten, eine Qualifikation durchzuführen. Jeder Weg hat seine Berechtigung! Diskussionen wie in den vergangenen Tagen wird es immer wieder geben. Garantiert hat man sich aber auch beim DSAB über die Nominierungspraxis durchaus Gedanken gemacht. Ich würde dem DSAB niemals unterstellen, hier willkürlich zu handeln. Und je nach Situation (insbesondere was die Termine der Meisterschaften betrifft), macht es auch durchaus Sinn, die Maßnahmen von Jahr zu Jahr den Gegebenheiten anzupassen. Das Problem ist aber: Leider gibt der DSAB seine Entscheidungskriterien nie im Vorfeld öffentlich bekannt. Dadurch, dass er die Öffentlichkeit im Unklaren lässt, bereitet der DSAB einen prima Nährboden für Gerüchte, Spekulationen, Unterstellungen und Diffamierungen. Ruck, zuck entsteht der Eindruck von Mauschelei. Die Diskussionen werden dann in erster Linie auf dem Rücken der Sportler ausgetragen.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf dieses Dokument verweisen, das der Britische Turnverband Ende März herausgab. Auf fünf Seiten wird detailliert der sportliche Weg zur Jugend- und Junioren-WM erläutert. Unabhängig von den Inhalten würde ich mir solche Transparenz auch in Deutschland wünschen. |
Kommentare
Nun ist auch mal wieder gut.
Jeder baut sein Training und seine Wettkampfvorbereitungen anders auf. Ob da nun ein einfacher, doppelter dreifacher oder was für ein Salto dazu gehört muss doch jeder für sich entscheiden. Wie Tamara schon sagt kommt die Routine mit mehr Übung und Erfahrung.
Du hast auch deine Meinung dargelegt, jeder hat sie zur Kenntnis genommen und gut ist.
einfach lächerlich ihr denkt immer nur national macht man grade das was alle machen wennn einer in deutschland dannn eine höhere schwierigkeit turnt und es halt nicht auf anhieb so klappt wie es sein sollte braucht es halt noch übungsphase und ein paar wettkämpfe und dann kann deutschland auch mal international mitspielen und nicht nur immer ´´dabei sein ´´ Ruht euch ruhig auf der faulen haut aus wir machen weiter so wie wir angefangen haben und mal sehen wer dann in ein zwei jahren nicht nur national sondern international mitspielen kann !
Aber eigentlich waren für die WM-Quali doch nur Balance und Tempo ausschlaggebend, weil schon Samstag entschieden wurde, wer nun fährt. Und da gab's leider den Fehler beim individuellen Salto, den Valery eigentlich beherrscht. Genauso hatte Schwerin gepatzt in der Tempo. Wenn alle gut durchgekommen wären, wäre die Entscheidung auch um einiges schwieriger ausgefallen. So haben sie sich einfach für die entschieden, die Balance und Tempo sauber durchgeturnt haben, wobei Hofherrnweiler auch einen kleinen Patzer in der Tempo hatte.
Man sieht meistens immer nur das was man will. Würde mal ein bisschen recherchieren. Denn so ganz ohne Erfolge ist der Verein dann doch nicht.
Ich würde sagen, dass das Faurndauer Trio mit der absolut notwendigen Schwierigkeit geturnt hat. Soll heißen, nicht zu hoch gegriffen, aber dafür sauber und sicher. Ergo: Qualifikation zur WM 2010.
Das ist Quatsch. Wo hat denn Ebersbach übertrieben schwer geturnt. Jedenfalls nicht in der Balance- und Dynamikübung. Das der 9/4 in der Kombi nicht ganz sauber war, sollte für die Nominierung keine Rolle spielen. Und wenn hier jemand der Meinung ist, dass ein 9/4 in der Jugendklasse "zu schwer" ist, kann man nur den Kopf schütteln. Wo ist hier der Leistungsgedanke und die Vorausschau auf die kommenden Leistungsklassen?
Na ja, erstens war es eben nicht "manch anderer Tag", ausserdem kann ich dem nicht folgen. Kann mich aktuell an keinen Wettkampf in letzter Zeit erinnern, an dem Ebersbach vorne gewesen wäre....