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Das Herrenpaar Marco Lamm und Maximilian Dao vom SC Riesa hat aus sportlichen Gründen die gemeinsame Karriere beendet. Max trainiert ab sofort mit Matthias Taudien von der TuG Leipzig. So lautet die offizielle Version des SC Riesa, der "in der Öffentlichkeit eigentlich keine schmutzige Wäsche waschen und niemanden bloßstellen wollte", so Abteilungsleiter Frank Schöniger ("Schöni"). Marco Lamm hingegen sieht keinen Grund, ein Blatt vor den Mund zu nehmen, sondern will das Kind beim Namen nennen: "Es war ein klassischer Rausschmiss". Er ist schwer enttäuscht von "seinem" Sportclub, der ihn so einfach ausgewechselt hat.
Zwar fühlt sich auch Marco selbst nicht ganz so wohl dabei, mit den Details seines Rauswurfs an die Öffentlichkeit zu gehen, es ist ihm aber dennoch wichtig, dass jeder weiß, was vorgefallen ist und wie die Situation aus seiner Sicht wirklich war: "Diese Sache kratzt schließlich auch gewaltig an meinem Stolz. So geht es einfach nicht!"
"Mir wurde klipp und klar gesagt, dass ich nicht mehr mit meinem Partner trainieren darf. Unsere Leistungen wären zu schlecht. Ich wäre zu selten beim Training. Und meine Einstellung zu dem Ganzen stimme auch nicht. Igor hat gesagt, dass er sich bei der WM geschämt habe, weil wir gestürzt sind. Und dass es ihm peinlich gewesen sei, dass jeder wusste, dass er uns trainiert. Es tut schon weh, das vom eigenen Trainer zu hören, der mich 13 Jahre trainiert und ausgebildet hat und wie ein zweiter Vater und bester Freund für mich war."
Cheftrainer Igor Blintsov rechtfertigt seine Entscheidung: "Ich habe viele Jahre mit Marco gut und erfolgreich gearbeitet und war stolz auf die erreichten Ergebnisse, als Trainer und als Freund. Sein oder vielmehr Max' Absturz bei der WM ist mir nicht peinlich und das habe ich auch sicher nicht so gesagt. Das kann selbst einem Spitzensportler passieren! Viel schlimmer für mich war die schwache Leistung, die die beiden zeigten, und das war kein Pech, sondern spiegelte Marcos Trainingsleistung der letzten Zeit wider. Ich habe alles getan, um ein gutes Abschneiden bei der WM zu ermöglichen. Leider hat sich Marcos Einstellung seit letztem Jahr geändert. Beispielsweise haben wir für ihn und Max zusätzliche Trainingsmöglichkeiten organisiert, die er trotz vorheriger Absprache nicht wahrgenommen hat. Mit seinen eigenmächtig getroffenen Entscheidungen, die mir gegenüber respektlos waren, ist er seinem Vorbildcharakter den jüngeren Sportlern gegenüber nicht gerecht geworden und hat Unruhe in die Turnhalle gebracht."
Der 25-Jährige solle also seine Einstellung ändern. Wenn das passiert, wären die Verantwortlichen des SC unter Umständen bereit, neue Gespräche mit ihm zu führen. Davon will Marco nach diesem Vorfall allerdings derzeit nichts mehr wissen. Er hat mit der Sportakrobatik vorerst abgeschlossen. Damit geht eine langjährige erfolgreiche Karriere zu Ende, die sogar dreimal in der Teilnahme an internationalen Meisterschaften gipfelte: 2002 landete er im heimischen Riesa bei der Junioren-WM im Mixed Paar mit Cindy Reibholz auf dem siebten Platz, bei den Senioren wurde es sowohl 2004 in Liévin im Mixed Paar mit Tina Braunsdorf als auch jetzt 2010 in Wroclaw im Herrenpaar mit Max jeweils der zwölfte Platz.
Das relativ schwache Abschneiden jetzt bei der WM vor einigen Wochen hat also die Verantwortlichen des SC endgültig zu einer personellen Neuorientierung veranlasst. "Wir haben ja schon seit längerem immer wieder Gespräche mit Marco geführt und ihn darum gebeten, seine Einstellung zum Training zu ändern, auch mit der Androhung von Konsequenzen: Es ging immer um dasselbe: Pünktlichkeit, Fleiß, Engagement, Verhalten und so weiter. Aber leider fruchteten die Gespräche nicht. Jetzt hat es uns sehr getroffen, dass die beiden bei der WM nicht einmal ins Finale gekommen sind, was sie eigentlich mit links geschafft hätten, wenn sie anständig trainiert hätten. So aber haben sie den erhofften Kaderstatus verpasst und natürlich merken wir das auch bei der Förderung und Unterstützung."
Marco verdient seinen Lebensunterhalt in einem Stahlwerk nahe Riesa, wo er im Schichtbetrieb arbeiten muss. Wahrlich keine optimalen Voraussetzungen für Leistungssport! "Ich schaffe es halt leider zu selten ins Training. Die Trainer haben zwar gesagt, dass sie es akzeptieren, wenn ich arbeiten muss. Aber ich habe das Gefühl, dass dies nicht immer der Fall war. Es zählte meistens nur, dass ich nicht da war. Egal warum. Da heißt es dann: Training fällt aus, Leistung schlecht, da muss was geändert werden…"
Bereits am Sonntag, den 15. August, kam dann Matthias zum Probetraining nach Riesa. Max erinnert sich: "Igor hat mich gebeten, an diesem Sonntag schon früher als gewohnt von Chemnitz nach Riesa zu fahren und in die Halle zu kommen. Ich wusste überhaupt nicht, um was es ging. Als ich ankam, hat er mir dann erklärt, dass es mit Marco nicht mehr weitergeht und dass er einen neuen Partner für mich gefunden hätte. Im selben Moment kam Matthias zur Tür herein. Dann haben wir ein paar Sachen ausprobiert."
"Der Kontakt zu Matthias kam schon vor ein paar Monaten zu Stande", erklärt Schöni. "Er hat sich gemeldet, als wir für Nikolaj Dewataikin einen neuen Partner suchten. Daraus ist aber damals nichts geworden. Jetzt haben wir ihn wieder angerufen und gefragt, ob er immer noch Interesse habe." Matthias Taudien von der TuG Leipzig ist in der Sportakrobatik kein Unbekannter. Gemeinsam mit Danilo Marder war er bereits bis 2005 im Herrenpaar aktiv: 2002 vertraten die beiden Deutschland bei der Jugend-WM in Riesa, 2004 holten sie bei der Deutschen Meisterschaft der Meisterklasse (heute: Senioren) in Hattingen sogar den Titel im Mehrkampf. "In den letzten Jahren hat sich Matthias auf sein Studium konzentriert, sich aber weiterhin fit gehalten. Das Probetraining lief super, er ist noch gut in Form." Noch an diesem Sonntag wurde dann auch gleich entschieden, dass Matthias der neue Untermann für Max wird. Viermal pro Woche wird der Leipziger künftig zum Training nach Riesa fahren, eine weitere Trainingseinheit pro Woche kann er allein in der heimischen Halle absolvieren. Das Paar soll offiziell als Startgemeinschaft zwischen dem SC Riesa und der TuG Leipzig firmieren. Bis zur Deutschen Meisterschaft der Junioren und Senioren in Ebersbach wird das Duo zwar noch nicht das volle Wettkampfprogramm von drei Übungen beherrschen, beim SC Riesa hofft man aber auf einen ersten Start bei der Deutschen Mannschafts-Meisterschaft, "wenn auch wohl erst mal nur in der zweiten Mannschaft oder als Ersatz."
Marco erfuhr erst tags darauf im Training von seiner Auswechslung. "Er war sehr geknickt. Damit hatte er überhaupt nicht gerechnet", erinnert sich Schöni. Aber auch für den Trainer war es kein einfacher Gang: "Die Entscheidung, Marco und Max zu trennen, ist mir und dem ganzen Trainerteam sehr schwer gefallen", berichtet Igor. "Aber wir waren uns nach reiflicher Überlegung einig, dass das Paar in dieser Zusammensetzung keine sportliche Perspektive hat." Marco hat vor allem kein Verständnis für die Vorgehensweise: "Auch wenn unsere Trainer der Meinung sind, dass Max und ich keine sportliche Zukunft haben, hätten sie uns das Wettkampfjahr noch anständig abschließen lassen können mit Sächsischer Meisterschaft, Deutscher Meisterschaft und eventuell Deutscher Mannschafts-Meisterschaft", findet er. "Dann hätte man ja immer noch eine neue Formation basteln können. Stattdessen wird man von einem Tag auf den anderen ausgetauscht, man muss gehen und es kommt ein Neuer. Für mich ist das überhaupt nicht leistungsorientiert und professionell! Eher rücksichtslos, unverantwortlich und dumm."
Jetzt liegt es an Max und vor allem Matthias, das Vertrauen zu rechtfertigen, das der SC Riesa in sie gesetzt hat. Max erklärt, dass er sich mit der Situation abgefunden habe. Sportlich laufe es im neuen Duo zwar noch nicht so wirklich rund, aber nach gerade einmal zwei Wochen und einer Handvoll Trainingseinheiten ist es für ernsthafte Prognosen dieser Art natürlich noch viel zu früh. Eines ist sicher: Schon jetzt wird der erste gemeinsame Auftritt von Matthias und Max mit größter Spannung erwartet. Nicht nur Marco, der verstoßene Ex, wird garantiert besonders genau hinschauen. |
Kommentare
zitiere Soederberg:
zitiere Brit:
Zum Thema auf dieser Seite: Ich glaube immer noch das es im Leistungssport das Trainerteam zu entscheiden hat, wer mit wem und wann zusammen turnt. Und über die Vorgehensweise und über die Dinge,die auch zu dieser Entscheidung geführt haben kann sich hier keiner ein Urteil erlauben, denn keiner der hier seine Meinung geschrieben hat war dabei ....
Gute Idee-finde ich!
Sicherlich ist es schmerzlich, wenn begründet oder nicht (keine Ahnung) Veränderungen vorgenommen werden.
Da man in diesem Sport sowieso keinen Blumentopf gewinnen kann, aber einiges fürs Leben lernen kann (Freundschaft, Verantwortung, Biss, Fleiß, Umgang mit Ungerechtigkeit usw.), ist es auch in diesem Fall das Beste nach vorne zu blicken und sich insbesondere im Alter von 20+ wichtigeren Themen zu widmen.
Und wer nicht von dem Sport los kommt ... gute Trainer und unparteiische Kampfrichter werden ja immer gesucht.
Alles Gute!
jedenfalls, wünsche ich marco viel glück in seiner zukunft und nicht zu viele stunden kopfzerbrechen über geschehenes!
lg eine ex-akrobatin
Es ist schlicht nur Geschäft und wird ja auch entsprechend intensiv betrieben mit 3-5(6) Mal Training pro Woche. Aber bitte tretet das hier doch nicht breit, wenn es überhaupt noch sein muss, dann im anderen Topic, dort gehört es dann hin.
Hier sollte Marco letzte Wünsche mit auf den Weg bekommen, das hat er sich verdient.
genauso wie du hat sich damals die Partnerin von Arvid Kuritz, Corinna Abele gefühlt, als Arvids Trainer und Arvid plötzlich beschlossen, daß Corinna aus verschiedenen Gründen nicht mehr optimal für Arvid ist und der andere Partner aber für Arvid so gut wie schon schon bereitstand. Für Corinna und ihrer eigentlichen Hometrainerin (aber das während dieser Zeit nicht gewünscht war) eine mehr als schmerzhafte Erfahrung, die man leider nie verißt. Kurzerhand abgestellt und ausgewchselt (So fühlt man sich) für die Chance auf einen event. noch größeren Erfolg des Anderen.
Immer besonders schwer, für den, der ausgewchselt wurde und zurückbleibt. Wird dieser Erfolg kommen, wenn ja, für wie lange und hat sich das dann wirklich gelohnt ??? Wo bleibt da der Spaß am Akrobatik ??? Hört sich eher nach hartem Geschäft an !!!
ich war sehr traurig, als ich diese Zeilen gelesen habe. Ich kenne dich seit Du in der Schülerklasse erfolgreich gestartet bist und das ist schon wirklich sehr viele viele Jahre her. Mein Sohn Michael hat zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls in der Disziplin Herren-Paar angefangen und trotz jahrelanger Konkurrenz hat sich daraus eine tolle Freundschaft entwickelt die bis heute besteht. Mein Respekt als Trainer an DICH für die so lange Zeit in der Sportakrobatik. Du mußtest sehr viele Rückschläge einstecken und doch bist du der Sportakrobatik immer treu geblieben. Du hast Dich mit deinem Partner für die diesjährige WM in Polen qualifiziert. Ich war mit dabei und du kannst mit deinem Partner stolz auf Euch sein. Ihr habt gekämpft und alles gegeben. Manchmal ist das Glück einem nicht immer hold. Wenn du und Igor viell. an die beiden Belgischen Gemischten Paare denkt, die so nah am Weltmeistertitel waren und dann doch wieder so weit davon entfernt.
Ich bedaure sehr Dein Ausscheiden, hoffe, daß das Sprichwort stimmt: Zeit heilt alle Wunden und wünsche Dir für die Zukunft nur das Allerbeste.
Elfriede Stoll
Marco war ein super Sportler. Warum wird da nicht gekämpft oder alternativen angeboten sondern gleich ein rausschmiss.