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DM in Mainz (2): Überraschung aus Leipzig
Donnerstag, 20. November 2014

Max Hoppe und Luise Fischer (Leipzig)

Die Spannung in den Männer-Disziplinen war überschaubar bei der Deutschen Meisterschaft der Junioren (12-19) in Mainz: Während sich an den Wettbewerben der Damenpaare und -gruppen immerhin noch fünf Bundesländer beteiligten, waren bei den Mixed Paaren, Herrenpaaren und Herrengruppen ausschließlich Sachsen am Start. Drei Mixed Paare, ein Herrenpaar, eine Herrengruppe. Dresden, Riesa, Leipzig. (Insgesamt waren neun von 16 Formationen aus Sachsen.) Dennoch wartete bei den Mixed Paaren die Überraschung des Wettkampfes auf die wenigen Zuschauer.

Diese Überraschung war das neue Leipziger Mixed Paar Max Hoppe und Luise Fischer, insbesondere mit ihrer Tempo-Übung. Die spektakulärste Passage setzte sich aus einem Salto-Aufgang, einem Hand-Hand-Salto gestreckt und einer Doppelschraube zusammen. Ein Doppelsalto vorwärts war auch noch in der Übung. Und das alles nach nur gut zwei Monaten gemeinsamen Trainings, denn beim Sachsenpokal startete Max ja noch in einem Herrenpaar. Jetzt scheint es aber fast, als hätte er im Mixed Paar seine wahre Bestimmung gefunden. Und mit Luise Fischer eine super Partnerin mit toller Ausstrahlung, die Max in puncto Show nicht viel nachsteht. Zwei Deutsche Meistertitel in Tempo und im Mehrkampf sind ein beachtlicher Auftakt, auch wenn besonders in Balance noch viel Arbeit vor den beiden liegt. Vor allem muss alles noch sauberer werden.

Wohin der Weg am liebsten gehen soll, daran lassen die beiden aber keinen Zweifel und setzen mit ihrer Balance-Übung ein eindeutiges Zeichen: Da haben sie sich für die traumhaft traurige Musik aus "Schindlers Liste" entschieden - und damit für eine Musik, zu der auch die späteren World-Games-Sieger Dominic Smith und Alice Upcott aus England in ihrer Junioren-Zeit turnten. Das ist mit Sicherheit kein Zufall, zumal Max selbst für seine Choreografien verantwortlich zeichnet.

Richard Kretzschmar und Mara Dittrich (Dresden) hatten für die höhere Altersklasse ihr Programm unter anderem um einen Diamidov aufgestockt, der den beiden auch gut gelang. Wäre Mara nicht in der Choreografie von Richards Knie abgerutscht, hätte das Jugend-Paar jetzt den Balance- und den Mehrkampftitel in der Tasche statt zweimal Silber und Bronze in Tempo.

Als Einzige überhaupt konnten Franz Krämer und Jördis Leppuhner (Riesa/Dresden) einen kompletten Medaillensatz aus Mainz mit nach Hause nehmen: Balance-Gold, Tempo-Silber und Mehrkampf-Bronze, und das bei drei Mixed Paaren am Start. Die beiden hätten nicht deutlicher zum Ausdruck bringen können, dass in ihnen zwar viel Potenzial, aber noch zu wenig Sicherheit steckt. Ob sie sich aber einen Gefallen getan haben, die alten Choreografien von Tim Sebastian und Rosa Löhmann zu verwenden und dadurch natürlich an denen gemessen zu werden, da bin ich mir noch nicht so ganz sicher.

Überhaupt scheint in Riesa, Dresden und Leipzig der Basar ausgebrochen: Mit Franz Krämer und Jördis Leppuhner sowie Tim Sebastian und Michail Kraft gibt es jetzt zwei Riesa-Dresden-Startgemeinschaften. Franz und Jördis haben wie gesagt zwei Choreografien von Tim und Rosa. Max und Luise aus Leipzig trugen in Mainz Tims und Rosas alte Anzüge auf. Und Tim und Michail wiederum schlüpften in die ehemaligen Trikots von Paul Behrendt und Lukas Teichmann. Sachsen arbeitet aufs intensivste zusammen und zeigt das auch ganz offen.

Die beiden Formationen in den rein männlichen Disziplinen blieben jeweils konkurrenzlos: Tim Sebastian führte in Balance vor, was man aus einer Riesaer Choreografie so alles herausholen kann. Insgesamt gelang ihm mit Michail Kraft als neue Riesa-Dresden-Startgemeinschaft ein Einstand nach Maß. Das Duo funktioniert und hätte sogar den zweitbesten Mehrkampf des Wochenendes hingelegt, wenn nicht Trainer Igor Blintsov sicherheitshalber in Tempo zum Hand-Hand-Vorwärtssalto gebückt und einem halben Rückwärtssalto vom Schulterstand in den Handstand mit auf die Matte gekommen wäre. Aber eingreifen musste er da nicht. Lediglich die Balance-Elemente auf dem Kopf sind für Tim offenbar noch sehr ungewohnt, so verspannt wie er da dreinschaut.

Und last but not least werden auch Sebastian Grohmann, Erik Leppuhner, Florian Vitera und Tom Mädler (Dresden) immer besser. In Tempo ging ihnen zwar der Schraubensalto aus dem Coupé-Einsteiger ins Karree flöten, aber so locker, wie die Vier in diesem Jahr von der Jugend bis hin zu einer ziemlich vollen Schwierigkeit bei den Junioren (12-19) aufgestockt haben, muss man schon festhalten: Sie sind sogar noch besser als es die Otto-Kühne-Löhmann-Werner-Truppe in ihrem Alter war. Insofern kann man sich da ja nur darauf freuen, wenn die mal in die Seniorenklasse kommen.

Siegerlisten: Balance | Tempo | Mehrkampf

 
DM in Mainz (1): Nicht das Wochenende der Trios
Sonntag, 16. November 2014

Es war nicht das Wochenende der Trios. Eigentlich wäre in dieser Disziplin bei der Deutschen Meisterschaft der Junioren (12-19) in Mainz die beste Konkurrenz zu erwarten gewesen. Aber keiner einzigen Damengruppe gelang ein Wettkampf ohne groben Fehler. Gleich zu Beginn in Balance war die Seuche besonders ansteckend und brachte fünf von sechs Einheiten zu Fall.

Die Favoritinnen Katharina Bräunlich, Laura Jolitz und Flora Sochor (Dresden) bezahlten besonders teuer dafür, dass sie sich ausgerechnet den einzigen Handstand in ihrer Balance-Übung zum Abschmieren aussuchten. (Eine Stützwaage erfüllt nicht die Handstand-Pflicht. Wer hat's gewusst?) Mit dem letzten Platz in Balance war dann auch gleich der Mehrkampf so gut wie gegessen, als kleinen Trost bekamen sie im Tempo mit 27,2 Punkten die höchste Wertung des Wettkampfes und schafften es im Mehrkampf immerhin noch auf den Silberrang.

Einem doppelten Kugelhagel fielen die zwei Dresdner Jugend-Trios Sarah Arndt, Anika Liebelt und Johanna Schmalfuß sowie Rosa Löhmann, Lilly Dreßl und Kinga Kaczmarek zum Opfer: Beide hagelten bei der Kugel viel zu früh runter und kassierten entsprechende Abzüge. Obwohl sich Erstere in Kombi dann noch einen weiteren groben Schnitzer leisteten, weil sich Johanna beim Karree-Karree-Salto, der in Tempo perfekt geklappt hatte, an den Köpfen ihrer Partnerinnen festhalten musste, lagen sie am Ende im Mehrkampf doch vor ihren Vereinskameradinnen auf Platz drei. Mit den aufgestockten Schwierigkeiten hatten beide Trios gleichermaßen zu kämpfen, aber die deutlich längere (gemeinsame) Routine machte sich dann einfach bemerkbar. Ihnen gelingt es spielend, jeden Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Rosa, Lilly und Kinga hingegen wirken noch ziemlich mit sich selbst beschäftigt und haben offenbar noch zu wenig Kapazitäten frei zum Ausstrahlen und Akzentesetzen.

Die Einzigen, die unbeschadet durchs Balance-Programm kamen, waren Julia Neumann, Lisa Rutenkolk und Noel Bohmann aus Schwerin. Dafür hätte ihnen eigentlich der Titel gebührt. Zwei fehlerfreie Übungen reichten aber nur zu Silber in Balance und Bronze in Tempo, als sich die Konkurrenz wieder etwas gefangen hatte. Am Ende des ersten Wettkampftages lagen die drei sogar in der Gesamtwertung in Führung. Aber im Finale erwischte das Schicksal dann doch auch sie und eine Pyramide musste vorzeitig abgebrochen werden.

So gewannen am Ende Michelle Mausolf, Shirley Klier und Gofrahn Solh (Schwerin) zwei Titel, die sie garantiert schon abgeschrieben hatten: Trotz eines missglückten Aufgrätschens auf der hohen Spagatpyramide fast gleich zu Beginn des Wettkampfes reichte es tatsächlich noch zu Gold in Balance. Und nach ihrer Tempo-Übung - auch wenn Shirleys Absitzer beim Fangen schon beinahe als Choreografie hätte durchgehen können - dürften sie neben Tempo (Platz vier) auch den Mehrkampf ebenfalls abgeschrieben haben. Doch an diesem verrückten Wochenende sollte eine richtig gute Kombi-Übung doch noch für den Gesamtsieg reichen.

Die Trios erlebten also durch die Bank einen durchwachsenen Wettkampf. Ganz anders die Damenpaare, die sich in Topform präsentierten: Der mit Abstand beste Mehrkampf des Wochenendes gelang Diana Dierich und Emily Langenmayr (Riesa/Friedberg) mit dreimal 27 Punkten und mehr. Mit 27,2 Punkten für ihre Kombi-Übung durften sie sich sogar - genau wie das Dresdner Trio - über die höchste Wertung des Wettkampfes freuen. Der Sieg bei den Damenpaaren gegen Sarah Haslinger und Lara Kielkopf aus Ebersbach geht wegen der höherwertigen Tempo-Elemente, allen voran dem Hand-Hand-Salto, schon in Ordnung. Zwei Punkte Vorsprung sind allerdings zu viel und zweimal eine höhere Artistik-Wertung ebenfalls erstaunlich.

Das zweite Ebersbacher Paar Franziska Schmid und Tarima Neumann bezahlte in Mainz Lehrgeld. Für das noch so neue Duo war der Sprung zu den Junioren (12-19) vielleicht zu gewagt. Ihren Doppelsalto nahmen sie kurzfristig aus dem Programm, dennoch konnten sie mehrere Fehler nicht vermeiden und mussten sich insgesamt schließlich hinter Daniela Keilwerth und Ina Hohlbauch aus dem benachbarten Uhingen einreihen. Die überzeugten vor allem in Balance mit einem soliden und stabilen Programm, konnten aber in Tempo und Kombi die 25er-Marke dann nicht mehr halten.

Auch wenn sie das Ranking bei den Paaren und Gruppen jeweils abschließen, so waren doch auch die beiden Formationen aus Bayern und Nordrhein-Westfalen absolut eine Bereicherung, nicht zuletzt weil ohne sie nur magere drei Bundesländer am Start gewesen wären - selbst fünf sind ja noch ein Trauerspiel. Und sowohl Tina Schmidt, Miriam Schmauser und Lucia Book aus Weißenburg als auch Leonie Schabram und Lysann Höffer aus Gütersloh brauchten sich in Mainz wirklich nicht zu verstecken. Im Gegenteil ist es erstaunlich, dass sie trotz so unterschiedlicher Rahmenbedingungen vor allem im Vergleich zu Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern doch so gut mithalten können. Denn sie sind keineswegs weit abgeschlagen, auch wenn sie den Unterschied zwischen schätzungsweise 100 und 1.000 Wiederholungen der Elemente in den letzten Wochen natürlich nicht ganz wettmachen können.

Siegerlisten: Balance | Tempo | Mehrkampf

Zu den Disziplinen mit männlicher Beteiligung dann demnächst mehr.