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Medaillenspiegel 2014: 30-mal Gold für Dresdner Sportclub
Dienstag, 09. Dezember 2014

Der Wettkampf vergangene Woche in Saarbrücken war die letzte Deutsche Meisterschaft in diesem Jahr. Zeit für ein wenig Statistik, hoffentlich fehlerfrei.

Medaillenspiegel 2014: Vereine

Glatt 30 Goldmedaillen hat der Dresdner SC in diesem Jahr gewonnen, außerdem noch elf silberne und zehn bronzene. Das ist der klare Sieg im Medaillenspiegel vor dem SC Riesa (17 x Gold, 1 x Silber), dem VfL Schwerin (8 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze) und dem TV Ebersbach (7 x Gold, 7 x Silber, 6 x Bronze).

Medaillenspiegel 2014: Bundesländer

Wenig überraschend hat den Vergleich der Bundesländer Sachsen haushoch für sich entschieden (53 x Gold). Württemberg konnte in diesem Jahr mit Ach und Krach Platz zwei behaupten vor Mecklenburg-Vorpommern. Beide haben je acht Titel errungen, Württemberg hat jedoch deutlich mehr silberne und bronzene Plaketten abgeräumt.

Die Medaillen von Startgemeinschaften wurden wie immer dem erfolgreicheren Verein bzw. Bundesland zugerechnet. Das betrifft 2014 vor allem den SC Riesa: Die sechs Medaillen von Diana Dierich und Emily Langenmayr (Riesa/Friedberg) gingen aufs Riesaer Konto, die sechs vom Tim Sebastian und Michail Kraft sowie Franz Krämer und Jördis Leppuhner (beide Riesa/Dresden) wanderten aufs Dresdner Konto.

Die genauen Zahlen - auch die Auswertungen je Altersklasse - gibt es in der vollständigen tabellarischen Aufstellung. 76 Deutsche Meistertitel wurden 2014 insgesamt vergeben, 60-mal Silber und 39-mal Bronze. 24 Vereine aus elf Bundesländern konnten sich in den Medaillenspiegel 2013 eintragen.

Rückblick:

Achtung: Seit 2012 gibt es durch die Einführung der zusätzlichen Junioren-2-Altersklasse 17 Titel bzw. 51 Medaillen mehr als zuvor. 2014 fielen mit der Disziplin Podest ebenfalls in Junioren 2 davon wieder zwei Titel bzw. sechs Medaillen weg.

 
Saarbrücken (2): Sieger Sachsen, Matchwinner Hessen
Sonntag, 07. Dezember 2014

Sieger Sachsen, Matchwinner Hessen

Sachsen ist Deutscher Mannschafts-Meister der Junioren und Senioren 2014. Der Matchwinner am vergangenen Wochenende in Saarbrücken war aber Hessen. Gar nicht so sehr, weil es Silber holte - das war Hessen zuletzt erst 2011 geglückt -, sondern weil es sogar beinahe gewonnen hätte: Bis zum letzten Durchgang lagen die Hessen in Führung und setzten die Sachsen mächtig unter Druck.

Mit zwei richtig starken Übungen hatten Jana Mendel und Xenia Mehlhaff sowie Oliver Edelmann und Eva Breisch in den ersten beiden Runden jeweils ihre sächsischen Gegner ausgestochen - obwohl Tim Sebastian und Michail Kraft sowie Rico Dietze, Tobias Otto, Vincent Kühne und Laurin Werner keineswegs etwa gepatzt hatten.

Erst im direkten Vergleich der Trios im dritten und letzten Durchgang hatten dann die hessischen "Schmid/tts" Sachsens Besten, Katharina Bräunlich, Laura Jolitz und Flora Sochor, nicht mehr genug entgegenzusetzen. Die ließen sich nämlich den Druck - ein Sturz und der Titel wäre futsch gewesen - überhaupt nicht anmerken, sondern turnten im Gegenteil mit ihrer Tempo-Übung und zwei Tsukaharas zur Tageshöchstwertung von 26,92 Punkten.

Die zweithöchste Wertung (26,703 Punkte) des Tages bekam übrigens der sächsische Ersatz: die beiden Comebacker Alex Dik und Justice Niesar. Ihre Rückkehr ins Wettkampfgeschehen ist absolut ernst gemeint: "Wir wollen zur WM 2016 nach China!", stelle Alex klar.

Und wo war Württemberg? Zum ersten Mal seit 2001 haben die Schwaben bei der Deutschen Mannschafts-Meisterschaft (DMM) der Junioren und Senioren nicht Gold oder Silber gewonnen. Deutlich abgeschlagen mit beinahe sechs Punkten Rückstand auf Sachsen und fast fünf auf Hessen blieb für Württemberg nur Bronze vor Nordrhein-Westfalen. Die einzigen Schwaben, die sich an diesem Tag in guter Verfassung präsentierten, waren Valery Maslo, Natalia Persicke und Sophie Schreiner. Dem Jugend(!)-Trio fehlte lediglich ein Punkt in der Schwierigkeit zu einer Spitzenwertung. Nikolai Rein und Sophie Brühmann stürzten genauso wie Patrick Schönholz und Johannes Weiße, die außerdem noch kräftig die Schwierigkeit reduziert hatten. Zu ihrer Ehrenrettung sei jedoch gesagt, dass auch mit der Wertung des Ersatz-Duos Sarah Haslinger und Lara Kielkopf die württembergische Gesamtpunktzahl an diesem Tag nur marginal höher ausgefallen wäre.

Einen Ehrenpreis hätte Nordrhein-Westfalen verdient: Es trat an, obwohl es von vornherein keine realistische Medaillenchance hatte. Damit ist es offenbar der einzige der restlichen Landesverbände, bei dem der olympische Gedanke noch etwas zählt. Wo waren Thüringen, Niedersachsen, Bayern etc.? Mit nur vier Bundesländern am Start ist die DMM in ihrer aktuellen Konzeption so gut wie tot, die Nordrhein-Westfalen hielten sie zumindest noch ein bisschen am Leben.

Vor der DMM waren noch die letzten Deutschen Einzel-Meistertitel 2014 in der Disziplin Podest vergeben worden. Die sicherten sich bei den Junioren Lisa Grimm aus Schwarzenberg sowie (konkurrenzlos) Niklas Trexler aus Coburg und bei den Senioren Sophie Brühmann aus Ebersbach. Damit ist nun auch die Datenbasis für den Medaillenspiegel 2014 vollständig. Er wird im Lauf der kommende Woche hier veröffentlicht.

Siegerlisten: Deutsche Mannschafts-Meisterschaft Junioren / Senioren | Deutsche Meisterschaft Junioren & Senioren Podest

Oje, das Fernsehen ist da!

Am Ende bleibt als großes Mysterium, wie es das Dresdner Trio nur hinbekommen hat, dass bei ihnen als einzigen Startern die Musik in einer anständigen Lautstärke abgespielt wurde. Prompt kam auf der spärlich besetzten Tribüne Stimmung auf, vermutlich weil sich die Zuschauer nicht mehr fürchteten, durch Mitklatschen die Musik zu übertönen.

Apropos übertönen: Mit nur einem einzigen zu lauten Wort stand man zwischen zwei Übungen ruckzuck im Mittelpunkt. Dass da bei einem Wettkampf mit nur einem (langsamen) Kampfgericht immer eine ganz fiese Totenstille entsteht, die man unbedingt durch Musik oder Moderation abfedern müsste, wussten die Saarbrücker wohl nicht und es hatte ihnen offenbar auch keiner verraten.

Zwar hat sich das Saarland als DMM-Ausrichter im Vergleich zum letzten Jahr verbessert: Es wurde eine passable Halle ausgewählt, die sogar ein wenig dekoriert war. (Wenn man nur die geschmückte Ehrentafel nicht so leer gelassen hätte und beispielsweise den Bundestrainer und seine Gattin von der harten Tribüne auf einen der etwas bequemeren Stühle komplimentiert hätte...)

Aber alles in allem stand den hochklassigen Leistungen auf der Matte eine unterdurchschnittliche Organisation gegenüber. Angesichts der eigentlich großartigen Nachricht, dass die Ausrichter sogar das Fernsehen (ab Minute 17) kurz in die Halle holen konnten, rutschte einem da glatt ein "Oje!" heraus. Zumal wenn ausgerechnet dann dreimal in Folge die Wettkampfmusik ausbleibt und den Ausrichter sowie seinen Moderator sprach- und ratlos hinterlässt.

Es ist ja wirklich toll, dass auch Vereine und Verbände die Ausrichtung von Deutschen Meisterschaften übernehmen, die nicht jedes Mal dabei sind. Dass denen dann die entsprechende Erfahrung fehlt, ist völlig verständlich. Vielleicht wäre da auch einfach der DSAB gefordert, den Ausrichtern mehr Hilfestellung zu geben. Dennoch: Man hätte auch mal bei anderen Wettkämpfen vorbeischauen oder sich zumindest bei einem routinierten Ausrichter telefonisch Tipps holen können. Die Nationalhymne sollte bei einer Deutschen Meisterschaft halt nicht vergessen werden.

 
Dresden und Ebersbach für Baku nominiert
Dienstag, 02. Dezember 2014

Katharina Bräunlich, Laura Jolitz und Flora Sochor aus DresdenDer Deutsche Sportakrobatik Bund hat heute Katharina Bräunlich, Laura Jolitz und Flora Sochor aus Dresden sowie Nikolai Rein und Sophie Brühmann aus Ebersbach für die Europaspiele 2015 nominiert. Die "European Games" werden nächstes Jahr zum ersten Mal überhaupt ausgetragen, Gastgeber ist Aserbaidschan mit seiner Hauptstadt Baku. Die Europaspiele sollen so etwas wie Olympische Spiele für Europa sein oder zumindest werden.

Nikolai Rein und Sophie Brühmann aus EbersbachDie europäische Sportakrobatik kann es als riesigen Erfolg verbuchen, bei diesem neuen Wettkampfformat als eine von nur wenigen nicht-olympischen Sportarten dabei sein zu dürfen, wenn auch nur mit zwei Disziplinen: Damengruppe und Mixed Paar. Deutschland hat sich bei der Weltmeisterschaft 2014 in Paris für beide Kategorien qualifiziert. Es sind jeweils zehn Nationen plus Aserbaidschan startberechtigt.

Völlig unabhängig von ihrem sportlichen Abschneiden in Baku ist dem Dresdner Trio und dem Mixed Paar aus Ebersbach allein schon durch die Nominierung ein Eintrag in den Geschichtsbüchern der deutschen Sportakrobatik garantiert: Sie werden es sein, die bei den ersten Europaspielen und damit vermutlich bei einem der wichtigsten Schritte der Sportakrobatik Richtung Olympia dabei gewesen sind.

Die fünf Sportler werden in Baku vom neuen Bundestrainer Igor Blintsov betreut. Als Kampfrichter schickt der DSAB Albert Jung aus Württemberg ins Rennen.

 
Saarbrücken (1): Igor ist der neue Vitcho!
Sonntag, 30. November 2014

Igor ist der neue Vitcho!

Es ist nicht weniger als das Ende einer Ära: Vitcho Kolev, seit 1989 Bundestrainer für Sportakrobatik in Deutschland, ist jetzt im wohlverdienten Ruhestand. Seine Verabschiedung nach einem Vierteljahrhundert für den DSAB und einem ganzen Leben für die Sportakrobatik war der Höhepunkt der gestrigen Deutschen Meisterschaften in Saarbrücken.

Die kurze Laudatio von Oliver Stegemann hätte sich auch auf dem Ball des Sports oder einer anderen Großveranstaltung gut gemacht. Der DSAB-Präsident huldigte seinem Freund geradezu und stellte anekdotenreich heraus, dass Deutschland mit Vitcho Kolev nicht nur einen der angesehensten Sportakrobatik-Experten weltweit seinen Bundestrainer nennen durfte, sondern er ihn darüber hinaus auch als Intellektuellen auf vielen Gebieten jenseits des Sports kennen gelernt hat. Für eine internationale Verabschiedung von seinen vielen internationalen Freunden und Weggefährten auf der ganzen Welt lud er Vitcho zur Europameisterschaft 2015 nach Riesa ein.

Anschließend verabschiedeten sich in einer nicht enden wollenden Reihe die einzelnen Landesverbände teilweise tränenreich von ihrem scheidenden deutschen Chef-Trainer, dessen Augen da natürlich auch nicht trocken blieben, und überhäuften Vitcho mit Geschenken als Dank für seinen Einsatz in den letzten 25 Jahren. Schließlich war der uralte Koffer, mit dem der Bulgare seinerzeit nach Deutschland eingereist war, über und über voll von regionalen Delikatessen, Erinnerungsstücken und Ehrungen. Niemals wird Vitcho all das mitnehmen oder vorher gegessen und getrunken haben können, ehe er bereits am Dienstag Deutschland verlässt. Seinen Lebensabend will er in der Heimat wechselweise in Sofia und am Schwarzen Meer genießen.

Seine Geschäfte übernimmt Igor Blintsov aus Riesa. Er wurde im Rahmen der Verabschiedung von Vitcho als dessen Nachfolger vorgestellt. Nachdem eine Kommission aus dem DSAB-Präsidenten und seinen drei Vizes aus den acht Bewerbungen eine Vorauswahl getroffen hatte, entschied sich gestern vor dem Wettkampf das gesamte Präsidium mehrheitlich für den 49-jährigen Igor Blintsov aus Riesa als neuen Bundestrainer.

Als Aktiver hat es Igor in der Disziplin Mixed Paar mit verschiedenen Partnerinnen - eine von ihnen ist die heutige Choreografin des SC Riesa Inna Atazhanova - unter anderem auf 20 kasachische Meistertitel, mehrmals Bronze bei UdSSR-Meisterschaften sowie drei WM-Teilnahmen von 1992 bis 1995 gebracht. Der größte Erfolg war jedoch der Vizeasienmeistertitel 1994. Für seine Leistungen wurde er in der ehemaligen Sowjetunion als "Meister des Sports der internationalen Klasse" ausgezeichnet. In Almaty, der Hauptstadt Kasachstans, studierte Igor von 1982 bis 1988 die Turnsportarten (Turnen, Sportakrobatik, Trampolin und Rhythmische Gymnastik) und absolvierte sein Trainer-Diplom.

Keine Frage: Der Deutsche Sportakrobatik Bund hat sich mit Igor Blintsov für einen topqualifizierten und erfahrenen Trainer entschieden, der ja dem SC Riesa auch schon vier WM- und EM-Medaillen bescherte. Er ist bereits seit Jahren bestens vertraut mit der Sportakrobatik in Deutschland: dem System, den (geschriebenen und ungeschriebenen) Gesetzen, den Playern, den Herausforderungen... Kurzum: Er müsste eigentlich ohne Eingewöhnungszeit sofort durchstarten können und hat bestimmt auch schon einen Masterplan.

Auf der anderen Seite handelt es sich bei dieser Personalie natürlich nicht um einen außenstehenden, "neuen" Mann, wie ihn sich viele gewünscht hätten. Es dürfte eine der größten Herausforderungen für Igor Blintsov werden, dass seine Entscheidungen und Maßnahmen als absolut objektiv akzeptiert werden, was seinen SC Riesa betrifft, wo Igor bis zuletzt arbeitete und seine Frau Nina das auch weiterhin tun wird, was seine Sachsen betrifft und was seinen Sohn Daniel betrifft, der jetzt erst am Beginn seiner Laufbahn steht.

Die Kommentarfunktion freut sich über Eure persönliche (öffentliche) Verabschiedung von Vitcho Kolev und/oder eine Gratulation an Igor Blintsov zu dessen Nachfolge.

Die Aufarbeitung des Wettkampfes folgt zeitnah, hier schon mal die Siegerlisten: