Von Marsmännchen und sibirischen Nächten

| 18. April 2009 | 2 Comments

Mixed Paar SpelthorneDie Sportakrobatik ist eine einzige große Familie. Das wird auf wenigen Veranstaltungen so deutlich wie beim Acro Cup in Albershausen. Selten findet Sportakrobatik von Weltniveau sonst in einem so lockeren, entspannten und familiären Rahmen statt. Die Organisatoren – die „Marsmännchen“ mit den giftgrünen T-Shirts – sind schon längst ein eingespieltes Team und ihre Lockerheit färbt auf alle Gäste und Zuschauer ab. Hinzu kommt noch der besondere schwäbische Charme, den diese Veranstaltung in der beschaulichen, aber rappelvollen Albershäuser Sporthalle versprüht. Kein Wunder, dass alle so gern hier sind und auch immer wieder nach Albershausen kommen.

Die sportlichen Leistungen stehen denen der Organisatoren in nichts nach. Durch die guten Kontakte in der ganzen Welt ist es dem Organisationsteam um Günther Mäußnest gelungen, die absolute Weltelite nach Württemberg zu holen. In der Leistungsspitze kann der Acro Cup leicht mit der letzten Weltmeisterschaft mithalten. Hier in Albershausen sind es lediglich nicht ganz so viele Weltklasseakrobaten, sondern gelegentlich relativieren auch durchschnittliche Akrobaten das Leistungsspektrum. Vor diesem Hintergrund werden die Spitzenleistungen wenigstens gebührend gewürdigt.

Wie nicht anders zu erwarten war, sind es die Stars von der WM in Glasgow, die hier das Geschehen bestimmen und aus dem hohen Leistungsniveau noch merklich herausstechen können:

Einer der bemerkenswerten Auftritte des Tages war der des englischen Junioren-Mixed-Paars aus Spelthorne. Die amtierenden Weltmeister hatten die Vorderbeuge mit Abrollen (Bild) ins Programm aufgenommen. Beim Einturnen stürzten die beiden bei allen drei Versuchen. Doch die Weltmeister, die offensichtlich keine Nervosität mehr kennen, rissen sich zusammen: Unter den gespannten Augen der gesamten Halle klappte dieses Element wie auch alle anderen tadellos und die beiden sicherten sich mit der Tageshöchstnote im Juniorenbereich den Sieg.

Männerpaar RusslandDie Weltmeister im Herrenpaar (Age Group) starten inzwischen in der Juniorenklasse und legten mit 116 Value den schwierigsten Auftritt im Juniorenbereich auf die Matte (Bild). Das war auch jedem Laien in der Halle schnell klar und das noch so junge Paar wurde sofort zum Liebling des Publikums.

Bei den Senioren folgen die Highlights so dicht aufeinander, dass ich jetzt nicht, weiß, wen ich hervorheben sollte: Die Vizeweltmeister im Mixed Paar aus Amerika, deren Choreografie so cool wie die Nachttemperatur in Sibirien war? Oder die weißrussischen Doppelweltmeisterinnen, die in den Kategorien Synchronität und Anmut neue Maßsstäbe setzen und ihre Schwierigkeiten quasi nebenbei erledigen? Die englische Herrengruppe, die sich mit neuem Top in Balance wesentlich gesteigert hat? Leider kratzte bei denen die CD… Der Wettbewerb der Senioren war ein hochkarätiges Feuerwerk der Akrobatik, das es so auf deutschem Boden sicher schon lang nicht mehr gegeben hat.

Nur die allerbesten der deutschen Sportakrobaten können sich hier gegen die internationale Konkurrenz in Szene setzen und einen Platz auf dem Podest ergattern. Das sind das Herrenpaar aus Riesa (Junioren), alle drei Mixed Paare aus Hoyerswerda (Age Group / Junioren / Senioren), die Damengruppe aus Pfungstadt (Junioren), sowie das Damenpaar aus Albershausen (Senioren). Ein Platz ganz an der Spitze scheint nach den ersten Eindrücken hier aus Albershausen für eine deutsche Formation (fast) unerreichbar.
Die Damengruppe aus Mainz und das Herrenpaar aus Albershausen rutschen ebenfalls aufs Podest, hatten dabei allerdings Glück, dass ihre Disziplinen verhältnismäßig schwach (qualitativ oder quantitativ) besetzt sind. Von einigen erfreulichen Ausnahmen wie zum Beispiel Schwerin abgesehen, findet sich der Rest der deutschen Starter nur in der zweiten Hälfte der Siegerliste wieder.

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Category: Turniere

Comments (2)

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  1. sebastian schipfel sagt:

    Hallo Annette, der zweite Platz der Mainzerinnen ist natürlich kein Glück, sondern absolut verdient. Glück ist nur, dass sie im Unterschied zu anderen Disziplinen keine quasi unschlagbare Konkurrenz aus England, Russland etc. hatten. So wars gemeint…

  2. Annette sagt:

    Bis jetzt fand ich die Berichrerstattung auf dieser homepage immer objektiv, aber wenn die tolle Leistung von Dana, Julia und Nadine als Glücksache bezeichnet wird, dann ist das weder objektiv noch fair. Sie sind auch nicht auf den 2. Platz gerutscht, sondern haben sich diesen mit 3 super Übungen verdient.

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