„Der Vierfache ist ein echt gutes Gefühl!“

| 23. April 2009 | 7 Comments
Spelthorne 4er

Adam McAssey, Adam Buckingham, Alex Uttley und Jonathan Stranks waren mit ihrem vierfachen Salto das Highlight des sechsten Acro Cups in Albershausen. Beim Acro Ball am Samstag habe ich mich mit den vier Jungs und ihrem Trainer unterhalten:

Neil GriffithsZweimal durfte sich Neil Griffiths schon Vizeweltmeister nennen. 1998 wurde er dann mit seiner Partnerin Rebecca Law auch noch Weltmeister – der Höhepunkt seiner aktiven Karriere. Wenig später beendete er seine Laufbahn und nahm sich erstmal eine komplette Auszeit von der Sportakrobatik. 2001 kam er zurück: als Trainer in Wakefield. Zwei Jahre darauf wurde er von Spelthorne verpflichtet.

Spelthorne Elite Acrobatics zählt ungefähr 150 Akrobaten, Griffiths selbst trainiert aber nur 32 Sportler – sozusagen die „Leistungsgruppe“. Dabei helfen ihm sein Bruder Andrew (Junioren-Vize-Weltmeister 1995 beim Tumbling) und Nicola Yellop, die sich vor allem um die Choreografien kümmert. „Im Durchschnitt trainieren unsere Sportler 19 Stunden pro Woche“, berichtet Griffihts. Mehrmals pro Woche finden auch Trainingseinheiten am Morgen statt. Jedoch ist keiner von Griffiths Schützlingen Berufsakrobat. Jonathan zum Beispiel geht in die neunte Klasse, Alex ist hauptberuflich Trainer Spelthorne Logo(ebenfalls bei Spelthorne), einer der beiden Adams ist Bademeister (oder sowas ähnliches, das hab ich nicht ganz verstanden…). Alle Sportler absolvieren das Training also neben ihrem Job bzw. der Schule, keiner verdient Geld mit seinem Sport. Im Gegenteil: Das Training bei Spelthorne Elite Acrobatics kostet knapp 200 Euro im Monat. „Der Klub liegt in keiner armen Gegend“, erklärt Griffiths. „Die Eltern zahlen diese Summe gerne.“

Aber woher hat Griffiths all sein Wissen, mit dem er Spelthorne zum besten Verein der Welt gemacht hat? „I study hard“, antwortet er lapidar, meint damit aber nicht, dass er viele Bücher liest. „Wenn man an etwas wirklich Spaß hat, dann bekommt man ein ganz natürliches Gefühl dafür.“  Griffiths ist der Überzeugung, dass es keine einzig richtige Methode gibt, ein Element zu erlernen. Vielmehr sucht er für jeden seiner Schützlinge den idealen optimalen individuellen Weg.

Spelthorne 4erGrundsätzlich kann bei Spelthorne jeder Akrobatik lernen, aber nur die vielversprechendsten Sportler dürfen die Übungseinheiten von Griffiths besuchen. Und dabei zählt nicht nur das Talent oder der Fleiß der Sportler: „Unter anderem spielt auch das Elternhaus eine wichtige Rolle“, erklärt Griffiths: „Bei jedem Sportler wird irgendwann einmal der Punkt kommen, an dem er müde ist und aufgeben möchte. Dann brauchen wir die volle Unterstützung von zu Hause. Wir müssen den Eltern da vertrauen können und die Eltern können uns vertrauen, dass ihre Kinder bei mir die bestmögliche Ausbildung in der Sportakrobatik bekommen.“

Adam, Adam, Alex und Jonathan trainieren erst seit letzten November zusammen, waren allerdings alle schon voll ausgebildete und erfahrene Akrobaten. Griffiths erklärt: „Wir hatten uns schon vor langer Zeit das Ziel gesetzt, hier beim Acro Cup den vierfachen Salto zu zeigen. Entsprechend hatten wir das Training geplant.“ Vor ziemlich genau zwei Wochen war dann der Termin gekommen, an dem der Spelthorne 4erVierfache laut Trainingsplan zum ersten Mal frei gesprungen werden sollte. „An diesem Tag waren die vier Jungs nicht gut drauf, der Vierfache klappte deutlich schlechter als an den Tagen zuvor. Trotzdem haben wir das durchgezogen.“ Griffiths selbst hat beim ersten freien Versuch nicht eingegriffen, sondern seine Herrengruppe lediglich auf eine etwas weichere Matte geschickt. Alex Uttley erzählt: „Ich habe Jonathan beim Absprung direkt im Blick. Sein Herz hat beim ersten Mal wie wild geschlagen.“ Inzwischen hat Jonathan aber Spaß an dem Element gefunden: „Einen vierfachen Salto zu springen ist ein echt gutes Gefühl.“

Hatte Griffiths Angst vor dem ersten freien Versuch? Nein! Angst habe er nie im Training. „Ich bin immer absolut sicher, dass die Sportler körperlich und mental perfekt vorbereitet sind.“ In den rund fünf Jahren, die er nun bei Spelthorne trainiert, gab es auch nur zwei Verletzungen. „Und die entstanden beide, weil die Oberpartner in der Luft das Element plötzlich abgebrochen haben.“

Die vier Jungs haben sich große Ziele gesteckt: „Wir wollen in diesem Jahr die World Games und die Europameisterschaft gewinnen.“ Griffiths hingegen geht es nicht nur um Medaillen und Titel, sondern vor allem um Anerkennung: „Mein Ziel ist es, dass meine Arbeit von den Kollegen in aller Welt respektiert und geschätzt wird. Es macht mich stolz, wenn wir von Vereinen in der ganzen Welt zu ihren Wettkämpfen eingeladen werden.“ Und dann ganz am Schluss sagt er noch einen Satz, der mich zunächst sehr verwundert: Er wolle Training machen „not like in Russia – nicht wie in Russland.“ Warum? „Die Sportler sollen den Trainer respektieren und nicht – wie in Russland – hassen.“ Mutual Respect, gegenseitiger Respekt: Das ist Griffiths Maxime.

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Category: Personalien und Verbandsangelegenheiten, Turniere

Comments (7)

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  1. tessa stranks sagt:

    please can you email me a copy of the fours photo,,,it would be great to have such a happy photo of the mens four. I am jonathans mum !

  2. Daniela Wente sagt:

    Hi Basti, kannst Du mir bitte das Bild von Nina und Coco und – so vorhanden – die Bilder schicken, die Herr Schulz von Nina und Dir gemacht hat?
    Danke, liebe Grüße!
    Deine Schwiegermutter

  3. Kelly sagt:

    Hey Schipfel! Tolles Interview! Finds total klasse von dir, dass du dir immer und überall so eine riesen Mühe machst Fotos zu schießen, Artikel zu schreiben und das ganze dann auch noch ins Internet stellst! Aber ich kann mir keinen besseren vorstellen als dich! Gaaaaaaanz großes Lob von mir an die Seite & an dich!
    🙂

  4. Rüdiger sagt:

    Hallo Berichterstatterfangemeinde,
    auch ich habe 5701 Bilder gemacht!!!
    Und 1621 sind – wie anfangs der Woche versprochen – nun online. Viel Spass und als Zugabe gibts noch ne Fotoshow – mit Sebastian, als Akteur 😉
    Schaut rein auf http://www.aco-sportakrobatik.de!

  5. Noélle sagt:

    Finds echt super das interview. Der Trainer ist mir sehr sympathisch. Der letzte Satz ist echt gut, der sagt das richtige aus, ich bin der gleichen Meinung.=) Super Sebastian. und danke für die Berichterstattung!!!

  6. Günther Mäußnest sagt:

    Der gleiche Dank gilt dem Fotografenteam Schulz/Weigele, die bis zu 5000 Fotos geschossen haben und jetzt noch viel Arbeit haben sie zu sortieren. Bedanken darf ich mich bei den Familien Hiller und Müller ohne deren Engagement insbesondere bei Janina Hiller, die ja ein Doppelprogramm Sport und Orga zu absolvieren hatte, ein solches Turnier nicht zu stemmen gewesen wäre.

  7. Günther Mäußnest sagt:

    Lieber Basti, ich darf mich bei Dir für Dein Engagement bei der Berichtserstattung während des ACRO-Cups recht herzlich bedanken. Es war gut so, dass wir Dich in unser ACRO-Team eingebunden haben. Wie wäre sonst der Vierfache und der ACRO-Cup Albershausen weltweit im Internet verbreitet worden. Wenn ich diese Artikel in der Google – Suche lese bin ich erstaunt, wie wichtig dieser Wettkampf in dem kleinen Albershausen weltweit eingestuft wurde. Dafür nochmals herzlichen Dank.

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