Blasse Sportakrobaten

| 6. Juni 2009 | 9 Comments

Günther MäußnestGünther Mäußnest ist Sportakrobat durch und durch: Zunächst als Aktiver, später als Funktionär ist er seit Jahrzehnten in der Sportakrobatik zu Hause. Als Abteilungsleiter des TSGV Albershausen war er auch in Frankfurt mit dabei. Zurück in Schwaben machte er sich ein paar Gedanken über das Turnfest aus Sicht der Sportakrobaten:


 

Ach wie gut, dass keiner weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß…

Die Sportakrobaten wollten beim Turnfest groß raus kommen. Nach der gelungenen Premiere in Berlin mit dem Finale im ICC vor über zehntausend Zuschauern und einem Feuerwerk an Akrobatik- und Trampolinshow, war man voll des Mutes und verlegte gleich auch noch die Junioren mit ihren Titelkämpfen zum Turnfest. Für die Teilnehmer zweifelsohne das Ereignis ihrer Karriere. Aus ihrer Sicht toll und „megageil“ – ohne Zweifel: Jeder hat sein Bestes gegeben und auch seinen Spaß gehabt. Doch wie sah es um die Sportart Sportakrobatik aus?

Logo IDTFDas Finale war nicht das Gelbe vom Ei. Insider ahnten dies schon. Schon die Auswahl an Disziplinen mit deren durchschnittlicher Leistungsstärke ließ dies erahnen. Die international erprobten und publikumswirksamen Formationen mussten sich ins zahlende Publikum mischen, weil ihre Disziplinen nicht ausreichend besetzt waren. Stattdessen wurde dem erwartungsvollen Zuschauer, der am Nachmittag noch begeistert in der Messehalle das „kleine Finale“ sah, nur Hausmannskost geboten. Die Sprecher konnten mit ihren Darbietungen außer zum Stuhlgang auch niemand vom Hocker reißen. Die Anzeigetafeln verwirrten mehr als sie aussagten. Spitzenleistungen wurden nicht wirklich präsentiert. Die Plätze drei bis fünf sind halt nun mal in Deutschland nicht unbedingt die Granaten, die den Funken zum Publikum überspringen lassen.

Apropos Funken: Ein wenig mehr Licht hätte der Präsentation gut getan. Ich kenne keine Showbühne der Welt, auf der im Dunkeln geglänzt wird. Der Zuschauer schaute immer nur ins „schwarze Loch“. Wenn dann endlich der Funke durch unsere Glanzlichter überspringen wollte, war die Präsentation der Sportakrobaten auch schon vorbei und die Trampolinspringer konnten im Glanze der Scheinwerfer die Stimmung für sich gewinnen. Sie waren es dann, die der Veranstaltung ihren Glamour aufdrückten und den Stern der Sportakrobaten verblassen ließen.

Insgesamt war die Veranstaltung mit der Siegerehrung, die dann auch keiner mehr sehen wollte, doch zu lang. Dies hatten aber die Sportakrobaten nicht zu vertreten, denn sie haben ihre Programmkürzungen eingehalten. Für künftige Turnfeste wäre es doch überlegenswert, wenn beide Sportarten einen gemeinsamen Show- und Gala-Abend mit wirklich den besten Sportlern und ausdruckstärksten Übungen veranstalten würden. Quasi eine „Schau der Meister“.

Günther Mäußnest

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Category: Deutsche Meisterschaften

Comments (9)

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  1. Udo sagt:

    Hallo Leute! Vor Kurzem habe ich noch gegen eine "Zensur"argumentiert! Ihr werdet doch mit so einem Artikel klar kommen. Außerdem gibt es doch auch noch andere Meinungen zum Sportfest, die durchaus positiv sind- einschließlich der dort gezeigten Leistungen! Also, immer schön den Ball flach halten, wie man so zu sagen pflegt.

  2. Manu sagt:

    Hallo Schipfel,
    wie wäre es wenn Du diesen Kommentar von Herr Mäusnest hier von deiner Seite nimmst bevor es noch mehr Sportler lesen und sich zurecht angegriffen fühlen!Man kann kritisieren aber bitte doch nicht so hier werden doch offensichtlich Leistungen einiger Sportler an den Pranger gestellt ich finde das gehört hier nicht auf diese Seite.

  3. Annette sagt:

    Ich weiß nicht, von wo Herr Mäußnest das Finale gesehen hat. Ich saß mitten in einer Gruppe von Trampolinfans, die hellauf begeistert waren von den Leistungen aller Akrobaten, auch der „nur Hausmannskost“-bietenden 3. bis 5. platzierten. Ausserdem kann ich mich erinnern, daß die Begeisterung am Größten war bei der toll choreographierten Darbietung des Coburger Mixed Paares, auch nur „Hausmannskost“, weil nur 3.platziert.

  4. Britta sagt:

    Danke Peggy Danke Kelly für eure Kommentare!Sehr treffend formuliert!

  5. Kelly sagt:

    Tut mir leid aber ich kann es mir nicht verkneifen hierzu etwas zu schreiben!! -Schon die Auswahl an Disziplinen mit deren durchschnittlicher Leistungsstärke ließ dies erahnen- Klar wären die Vizeweltmeister schöner anzusehen gewesen, aber da war der Deutsche Meistertitel meiner Meinung nach von vornherein zu erahnen! So war es doch viel spannender! Durchschnittliche Leistungsstärke… dazu will ich nichts sagen, weil Schipfel die Kommentarfunktion sonst schließen muss. Mit der Aussage zu den dritt bis fünft Platzierten schließe ich mich Peggy an! Und mit noch mehr Licht auf und um die Bühne herum hätte ich weder gesehen wo meine Partnerin gerade ist, noch hätte ich sie nach irgendeinem Wurfelement fangen können! Mit dem Licht wurde eben wenigstens einmal an uns Sportler gedacht!

  6. Peggy sagt:

    „Die Plätze drei bis fünf sind halt nun mal in Deutschland nicht unbedingt die Granaten, die den Funken zum Publikum überspringen lassen“. Ich möchte hier niemanden beleidigen, aber diese Aussage finde ich wirklich eine Frechheit! Jeder Sportler gibt sich seine größte Mühe und gerade in der Formation der Damengruppen, kann man meiner Meinung nich nicht auf den ersten Blick sagen, wer als Favorit für den ersten bis dritten Platz zählt !!!
    Ich hätte sowieso in einigen Disziplinen andere Sportler weiter vorne gesehen, doch das liegt wahrscheinlich nicht an deren Leistungen…!

    An die Organisatoren:
    Allgemein, sollte es das nächste Mal besser organisiert werden, um den noch kämpfenden Sportlern das Einturnen eher zu ermöglichen, als nur die letzten 5 Minuten, vor Wettkampfbeginn!

  7. Soederberg sagt:

    Turnfeste haben einen ganz eigenen Charakter und eine besondere Atmosphäre. Hier geht es um das Gemeinschaftsgefühl, die Anerkennung von Leistungen durch ein fachkundiges Publikum und um die Achtung vor den Leistungen anderer Sportarten. Und es geht auch um Spiel, Spaß und Austausch mit anderen. Das ist auch diesem Sportfest wieder gelungen,die Begeisterung der Teilnehmer bestätigt das. Um die Sportakrobatik mehr in den Focus der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit (vor allem der Medien) zu rücken, benötigt man andere Instrumente. Eines könnte natürlich die Trennung von Wettkampf und Show sein. Das kennt man vom Turnen oder vom Eislaufen. Hier erreicht man Medien und ein Publikum über die übliche Fangemeinde hinaus. Es bleiben 4 Jahre Zeit für Organisation, Kontaktpflege zu den Medien etc.

  8. Rüdiger sagt:

    Bunte Bilder!
    Weniger blass (obwohl ich das gar nicht so empfand) ging es auf der Turnfestgala zu. Für alle die sich die Gala mit Hambüchen und Stefan ohne Erkan haben entgehen lassen oder keine Karten mehr bekommen haben, gibt es auf http://www.aco-sportakrobatik.de einen kleinen Eindruck der Show.

    Viel Spass damit!

  9. Manu sagt:

    Ich meine dass die Wettkampfmatte nicht auf der Bühne hätte sein dürfen dies war der erste Fehler die Akrobaten waren dadurch für das Publikum viel zu weit weg!Etwas Spannung die man hätte durch den Hallensprecher erzeugen hätte können wurde leider nicht verbreitet!Insgesamt war es blass ich wehre mich aber auch ein bisschen dagegen Leistungen der Sportler als „HAUSMANNSKOST“ zu betiteln!Jeder dieser Akrobaten hat die Leute zum Staunen gebracht!Natürlich hätte mir auch Böttcher/Grader und die Vizeweltmeister gefallen aber die Leute hatten auch so viel zu bestaunen!

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